{"id":33,"date":"2010-07-29T23:36:33","date_gmt":"2010-07-29T21:36:33","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-hausenblas.de\/news\/?p=33"},"modified":"2015-04-28T23:38:41","modified_gmt":"2015-04-28T21:38:41","slug":"ein-mann-saugt-sich-nach-oben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.michael-hausenblas.de\/news\/2010\/07\/29\/ein-mann-saugt-sich-nach-oben\/","title":{"rendered":"Ein Mann saugt sich nach oben"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-76 alignleft\" title=\"Michael Hausenblas\" src=\"http:\/\/michael-hausenblas.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/saug1.jpg.715826-300x197.jpg\" alt=\"Michael Hausenblas in Aktion\" width=\"300\" height=\"197\" \/>Bonlanden &#8211; &#8222;Er ist ein toller Typ. Und sieht auch noch klasse aus&#8220;, sagt eine seiner Mitarbeiterinnen. &#8222;Er ist wirklich einmalig&#8220;, sagt eine andere und f\u00fchrt nach nebenan. &#8222;Kommen Sie, ich zeig Ihnen den B\u00e4ren. Den m\u00fcssen Sie einfach sehen.&#8220;<\/p>\n<p>Das B\u00fcro von Michael Hausenblas ist stylisch-schmucklos: schwarzer Teppichboden, schwarzer Schreibtisch, wei\u00dfes Sofa. Nur die Troph\u00e4enwand passt nicht ganz ins Ambiente. In barocker F\u00fclle reihen sich Pokale, Medaillen und Ehrentafeln aneinander. Die Kr\u00f6nung des Prunks: ein goldener Grizzlyb\u00e4r. &#8222;Den haben nur sieben Menschen bekommen&#8220;, erkl\u00e4rt die Mitarbeiterin. Michael Hausenblas geh\u00f6rt dazu. Er schaffte es, innerhalb von sechs Monaten seinen Topumsatz noch zu verdoppeln.<img decoding=\"async\" class=\"mceWPmore mceItemNoResize\" title=\"Weiterlesen...\" src=\"http:\/\/www.michael-hausenblas.de\/blog\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/wordpress\/img\/trans.gif\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Die Zahl der verkauften Staubsauger macht ihn zum Besten<\/p>\n<p>Die Indiob\u00fcste bekam er f\u00fcr seine Leistungen in Mexico. Die Urkunde mit dem Foto des US-Firmenpr\u00e4sidenten f\u00fcr eine andere &#8222;spectacular performance&#8220;, wie darauf zu lesen ist. Solche Mitarbeiter mag der Boss. Eine ganze Sammlung von Goldsternen liegt in der Vitrine. Jeder einzelne steht f\u00fcr mindestens 25 verkaufte Ger\u00e4te oder drei neu rekrutierte Mitarbeiter in einem Monat. Mit der Weltkugel aus Silber wird die beste Verkaufsgruppe weltweit ausgezeichnet. Hausenblas hat zwei davon im Regal. Und einen wuchtigen Goldring. Dessen ist nur der Jahresbeste w\u00fcrdig. Wer der Beste ist, daf\u00fcr gibt es in dem Gesch\u00e4ft einen untr\u00fcglichen Gradmesser: die Zahl der verkauften Staubsauger.<\/p>\n<p>Seit einem Jahr ist Michael Hausenblas, 41, Chef von Hyla Germany mit Sitz in Bonlanden und 520 Mitarbeitern. Sieben sind fest angestellt, 513 freiberuflich unterwegs. Hausenblas will jetzt eine Art Betriebsrat einf\u00fchren, wie er sagt. Eine Tafelrunde mit den zw\u00f6lf besten Umsatzrittern und ihm als Hyla-Artus an der Spitze. Er geht immer noch raus, in die Wohnungen. Im Februar hat er zehn Staubsauger verkauft. &#8222;Basisarbeit, damit ich in \u00dcbung bleibe&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p>An diesem Sp\u00e4tnachmittag macht Hausenblas Basisarbeit in G\u00f6ppingen. Er parkt seinen Zweitwagen, einen strahlend wei\u00dfen BMW X6, vor einem Mehrfamilienhaus. Nach sieben Stunden Arbeit wirkt er immer noch wie frisch geduscht. Er tr\u00e4gt seine blonden Haare flott gescheitelt, einen dunklen Anzug und ein nettes L\u00e4cheln: &#8222;Hallo Frau Senger, da bin ich. Sch\u00f6n, dass ich vorbeikommen darf. Soll ich die Schuhe ausziehen?&#8220;<\/p>\n<p>Schon als Kind verkaufte Hausenblas Sachen<\/p>\n<p>Eigentlich ist Hausenblas ein Lesemuffel. Aber manche B\u00fccher verschlinge er f\u00f6rmlich, sagt er. Im seinem B\u00fcroregal stehen ein paar solcher Druckwerke. Sie haben Titel wie &#8222;Du schaffst, was du willst&#8220;, &#8222;Wie man Freunde gewinnt&#8220;, &#8222;Reichtum kann man lernen&#8220;, &#8222;Der Erfolg ist in dir&#8220; oder &#8222;Sprenge deine Grenzen&#8220; von dem Motivationstrainer J\u00fcrgen H\u00f6ller, der sehr erfolgreich war, bevor er ins Gef\u00e4ngnis musste.<\/p>\n<p>Schon als Sechsj\u00e4hriger war Hausenblas ein aufgeweckter Junge. In einer verlassenen Schmiede in Brugg im Allg\u00e4u, wo erherkommt, entdeckte er einige alte Fahrr\u00e4der. Er schraubte die Klingeln ab und verkaufte sie an Klassenkameraden. Ein verstaubtes Ochsengeschirr ver\u00e4u\u00dferte er an einen Antiquit\u00e4tenh\u00e4ndler. Bilanz: 30 Mark Gewinn. Nach Intervention seines Vaters musste er die Gesch\u00e4fte allerdings r\u00fcckabwickeln.<\/p>\n<p>Frau Sengers kleine Wohnung ist sehr gepflegt, alles an seinem Platz. Sogar die Teppichfransen sind gek\u00e4mmt. Ein gutes Vorzeichen. Sie sitzt mit ihrem Mann und der Schwiegermutter um den Wohnzimmertisch. Als Begr\u00fc\u00dfungsgeschenk packt Hausenblas ein paar Proben der Hyla-Kosmetiklinie aus. Dann den Sauger: &#8222;1850 Euro. Ein stolzer Preis, aber entspannen Sie sich. Lassen Sie sich das Ger\u00e4t zeigen. Wenn es Ihnen nach 15 Minuten nicht gef\u00e4llt, gehe ich wieder.&#8220;<\/p>\n<p>Nach einer Kaufmannslehre, die ihm nicht behagte, fing Hausenblas mit 19 in einer Leutkircher Lederfabrik an. An seiner Stanzmaschine stehend sah er drau\u00dfen die Vertreter ankommen. &#8222;Mit Anz\u00fcgen und 5er oder 7er BMWs. Das wollte ich auch.&#8220; Er ging zum Chef, der gab ihm eine Chance: Bielefeld, ein noch unerschlossenes Gebiet. Sonntagmorgens fuhr Hausenblas los, den Kofferraum voll Allg\u00e4uer Lederwaren. Freitagabends kam er mit einem neuen Umsatzrekord zur\u00fcck. Von da an war er Handelsreisender &#8211; oder &#8222;Vrtr\u00e4tter&#8220;, wie man in seiner Heimat etwas geringsch\u00e4tzig sagt. Mit 3er-BMW und Autotelefon.<\/p>\n<p>Staubsauger verkaufen: &#8222;Das mache ich jetzt auch&#8220;<\/p>\n<p>Bald bekam er das lukrative s\u00fcddeutsche Revier, wo er \u00f6fters an einem Singener Nobelautohaus vorbeikam &#8211; &#8222;kein Wagen unter 100.000 Mark&#8220;. Irgendwann hielt er an, ging zum Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und sagte, er wolle Ferrari-Verk\u00e4ufer werden. Er bekam die Chance. &#8222;Fixum oder Provision?&#8220;, fragte der Chef. Selbstverst\u00e4ndlich Provision. &#8222;Es verging kein Monat, an dem ich nicht mindestens zwanzig Autos verkaufte&#8220;, sagt Michael Hausenblas. Er machte auch sonntags auf. Ihm waren die gut betuchten Paare auf Spazierfahrt aufgefallen.<\/p>\n<p>Warum deren Wochenendlaune nicht in mobile Tr\u00e4ume verwandeln? Und ihm war noch etwas aufgefallen: einige der Leute, die sich einen Ferrari Mondial oder Lamborghini Diablo leisten konnten, waren im Direktvertrieb t\u00e4tig. &#8222;Ich verdiente 240.000 Mark im Jahr, aber mehr ging eigentlich gar nicht, mehr Autos konnte ich rein logistisch nicht verkaufen&#8220;, sagt er. Wie in einer Sackgasse habe er sich gef\u00fchlt. Nach einem langen Gespr\u00e4ch mit einem Ferrari-K\u00e4ufer, der sein Verm\u00f6gen Staubsaugern verdankte, war f\u00fcr Hausenblas klar: &#8222;Das mach ich jetzt auch.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Warum gibt es bei Regen keinen Smogalarm in Stuttgart? Weil Wasser den Staub bindet. So machen wir&#8217;s auch. Wir brauchen keine Filter, wir leiten den Schmutz ins Wasser.&#8220; Hausenblas saugt und kann nach kurzer Zeit schon eine stattliche Dreckbr\u00fche vorzeigen. &#8222;Wie gef\u00e4llt es Ihnen bis jetzt vom Prinzip?&#8220; &#8211; &#8222;Gut.&#8220; Hausenblas \u00f6ffnet sein Duftk\u00e4stchen. &#8222;Und nun k\u00f6nnen Sie einen Tropfen Orangen\u00f6l, Eukalyptus oder Zitrone ins Wasser geben.&#8220; Hausenblas saugt, und bald riecht es wie in einem Wellnesszentrum. &#8222;Wie ist das?&#8220; &#8211; &#8222;Angenehm.&#8220; &#8222;Eine ganz andere Luft, gell? Wenn ich Ihnen dieses Ger\u00e4t jetzt gleich dalassen w\u00fcrde, f\u00fcr welchen Duft w\u00fcrden Sie sich entscheiden?&#8220;<\/p>\n<p>Nun ist er sein eigener Herr<\/p>\n<p>Bei Hyla schlug er mit 30 Verk\u00e4ufen im ersten Monat gleich richtig ein. Er eroberte die Staubsaugerwelt, fand sogar in Costa Rica, Ecuador, Litauen und Lettland reichlich K\u00e4ufer. Dann wechselte er zu einer amerikanischen Staubsaugerfirma, bei der er sich die Pokale und den Gold-Grizzly erarbeitete. &#8222;Aber ich war auch da irgendwann wieder an einem Endpunkt&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p>Nun ist er zur\u00fcck bei Hyla, ausgestattet mit den Exklusivrechten f\u00fcr Deutschland und sein eigener Herr. &#8222;Ich bin am Ziel&#8220;, sagt er. Vielleicht nicht ganz. Er will die Russen von Platz zwei in der Hyla-Verkaufsweltrangliste dr\u00e4ngen. Dann w\u00e4ren nur noch die Amerikaner vor ihm. Hausenblas hasst zweite Pl\u00e4tze.<\/p>\n<p>&#8222;Wie riecht&#8217;s, wenn Sie Fenster putzen?&#8220; &#8211; &#8222;Frisch.&#8220; &#8222;Wie riecht&#8217;s, wenn Sie W\u00e4sche waschen?&#8220; &#8211; &#8222;Frisch.&#8220; &#8222;Und wie riecht&#8217;s nach dem Saugen?&#8220; &#8211; &#8222;Eher schlecht.&#8220; &#8222;Aha!&#8220; Hausenblas zeigt das Foto einer Milbe in Superzoom: &#8222;Milbenkot, Chipsreste, tote Fliegen: alles landet bei herk\u00f6mmlichen Saugern in den Beuteln. Das sind Bakterienherde!&#8220; Licht aus. Spot auf den alten Sauger von Frau Senger. &#8222;Jetzt knie ich sogar schon vor Ihnen: Sehen Sie, w\u00e4hrend er vorne saugt, bl\u00e4st er hinten feinen Staub raus.&#8220; &#8211; &#8222;Oh je.&#8220; &#8222;Riechen Sie das?&#8220; &#8211; &#8222;Ja. Ganz muffig&#8220;.<\/p>\n<p>Jeden Montag ist &#8222;Open House&#8220; in Bonlanden. Zuschauer sind dann Hyla-Verk\u00e4ufer und deren Bekannte, die es vielleicht werden wollen: M\u00e4nner in Sakkos, Frauen, die sich wie f\u00fcr den Besuch in einem guten Restaurant zurechtgemacht haben. Hausenblas stellt ihnen an solchen Abenden den &#8222;Karriereplan&#8220; vor oder fragt wie ein Lehrer in die Runde: &#8222;Harald?&#8220; &#8211; &#8222;15 Vorf\u00fchrungen, 13 verkauft.&#8220; &#8222;Alexandra?&#8220; &#8211; &#8222;25 Verk\u00e4ufe.&#8220; &#8222;Achim?&#8220; &#8211; &#8222;F\u00fcnf Vorf\u00fchrungen, vier verkauft.&#8220; &#8222;Mergim?&#8220; &#8211; &#8222;F\u00fcnf Vorf\u00fchrungen, vier Verk\u00e4ufe.&#8220;<\/p>\n<p>Sein starker Wille half ihm, sein Ziel zu erreichen<\/p>\n<p>Der 19-j\u00e4hrige Mergim \u00fcberholte Hausenblas neulich abends etwas frech im Wohngebiet. Der Hyla-Chef stellte den jungen Mann beim n\u00e4chsten Halt zur Rede. Man kam ins Gespr\u00e4ch. Jetzt verkauft Mergim Sauger. Die ersten Kunden waren seine Mutter, seine Schwester und sein Schwager. Sie machten Vorschl\u00e4ge f\u00fcr neue Kunden. Wenn aus den Vorschl\u00e4gen Vorf\u00fchrungen werden, gibt es ein Zubeh\u00f6r gratis. Hyla-Vertreter kommen nur auf Einladung ins Haus. F\u00fcr Kundennachschub sorgen die Kunden.<\/p>\n<p>&#8222;Probieren Sie&#8217;s mal selbst, Frau Senger. Und geht&#8217;s schwer?&#8220; &#8211; Nein.&#8220; &#8211; &#8222;Toll, nicht wahr? Ich freu mich nach dreizehn Jahren immer noch \u00fcber dieses Produkt&#8220;, sagt Hausenblas und steckt mit einer Gewandtheit aus Tausenden Vorf\u00fchrungen eine antistatische Naturhaard\u00fcse auf das Ger\u00e4t. &#8222;Wenn Sie morgen Ihren alten Sauger neben unserem im Schrank stehen haben, welchen w\u00fcrden Sie nehmen?&#8220; &#8211; &#8222;Ihren.&#8220; &#8222;So, und jetzt zeige ich Ihnen, wie Sie ihn noch g\u00fcnstiger bekommen k\u00f6nnen, f\u00fcr 1595 Euro. \u00dcberlegen Sie sich&#8217;s. Ich komme in f\u00fcnf Minuten wieder rein.&#8220; Die f\u00fcnf Minuten kann sich Hausenblas sparen. Nach gut einer Stunde temporeichem Saugspektakel ist Frau Senger &#8222;fasziniert&#8220;. Sie will das Ger\u00e4t gleich dabehalten.<\/p>\n<p>Eine Mischung aus jungenhaftem Charme und Entschlossenheit<\/p>\n<p>Was ist das Unwiderstehliche an Michael Hausenblas? Vielleicht die Mischung aus jungenhaftem Charme und Entschlossenheit. &#8222;Ich wei\u00df, was ich will, das sp\u00fcren die Kunden&#8220;, sagt er. Lampen, Vorh\u00e4nge, D\u00e4cher: er k\u00f6nne alles an den Mann bringen, wenn er es will. Und wenn er etwas will, gebe er erst Ruhe, wenn er es erreicht habe. &#8222;Ich bin im Sternzeichen Stier geboren&#8220;, sagt er. &#8222;Und ein echtes Sonntagskind.&#8220;<\/p>\n<p>Zeiten tiefer Zweifel und Betr\u00fcbnis, die kenne er nicht. Er sei schon mal schlecht drauf, &#8222;aber nie l\u00e4nger als einen Tag&#8220;. Keine freien Termine f\u00fcr Kummer. Oder f\u00fcr eine Familie. Wie viel Zeit investiert er in den Job? &#8222;Na alles&#8220;, sagt er und schaut, als w\u00fcrde er die Frage nicht verstehen. Er war schon \u00fcberall: in Jamaica, Hawaii, den Rocky Mountains &#8211; auf Meetings, nicht zum Entspannen. Mehr als vier Tage Nichtstun halte er gar nicht aus. Er kommt immer mit einem Stapel Visitenkarten aus dem Urlaub zur\u00fcck. Neulich war er im Wienerwald essen. Da gab es eine nette Bedienung. &#8222;Sie machen das echt gut&#8220;, sagte er ihr. Man kam ins Gespr\u00e4ch. Vielleicht verkauft die Frau bald Staubsauger statt Brathendl.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/stz\/page\/2418819_0_2147_-die-karriere-des-verkaeufers-hausenblas-ein-mann-saugt-sich-nach-oben.html\">Stuttgarter Zeitung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bonlanden &#8211; &#8222;Er ist ein toller Typ. 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